In dem Beitrag „Was ist Strategie?“ haben wir bereits darüber gesprochen, dass Strategie alles andere als nur ein Buzzword ist – es ist der Kompass, der sicherstellt, dass alle im Unternehmen in die gleiche Richtung rudern, um ein klares, langfristiges Ziel zu erreichen. Heute gehen wir noch einen Schritt weiter und unterteilen das Ganze ein bisschen. Denn „Strategie“ ist ein riesiges Feld, das sich in verschiedene, aber eng miteinander verbundene Teilbereiche aufteilt.
Die Ebenen der Strategie: Vom Rahmen bis zur Kette
Stell dir dein Unternehmen wie ein Fahrrad vor. Damit du wirklich Fahrt aufnimmst, muss alles ineinandergreifen: der Rahmen, die Kette, die Gänge – und natürlich der Mensch am Lenker, der weiß, wohin es geht. Wenn nur ein Teil nicht funktioniert, kommst du nicht voran – oder trittst ins Leere. Auch in Unternehmen gibt es verschiedene Ebenen der Strategie, die perfekt zusammenspielen müssen, damit die Fahrt Richtung Ziel gelingt.
1. Unternehmensstrategie (Corporate Strategy)
Die Unternehmensstrategie ist der Rahmen und die Richtung – sie bestimmt, wohin die Fahrt überhaupt gehen soll.
Die zentrale Frage lautet: In welchem Gelände wollen wir unterwegs sein? Also: Welche Märkte wollen wir erobern und wie grenzen wir uns von anderen ab?
Beispiel: Ein Unternehmen, das bisher nur Kaffee verkauft, entscheidet sich, auch Lebensmittel und Haushaltswaren ins Sortiment aufzunehmen. Diese Entscheidung legt fest, auf welcher Strecke das Unternehmen fahren wird.
2. Wettbewerbsstrategie (Competitive oder Business Level Strategy)
Hier geht’s darum, wie wir auf dieser Strecke fahren wollen. Sind wir der Sprinter, der auf Tempo setzt? Oder der Fahrer, der durch Technik und Stil auffällt?
Das ist die Strategie jedes einzelnen Geschäftsbereichs: Wie gewinnen wir in diesem Markt?
Michael E. Porter hat zum Beispiel drei grundsätzliche Strategien ins Spiel gebracht:
- Kostenführerschaft: Mit minimalem Widerstand und maximaler Effizienz ans Ziel – wie der, der auf dem leichten Gang möglichst energiesparend fährt (z. B. Aldi, Ryanair).
- Differenzierung: Durch Stil, Design und Erlebnis glänzen – der Rennradfahrer, der mit Qualität und Performance punktet (z. B. Apple).
- Fokussierung: Eine spezielle Route wählen, auf der man sich besonders gut auskennt – etwa die steile Bergstrecke, auf der andere längst aufgeben (z. B. Porsche).
Das Entscheidende: Wähle deinen Gang bewusst. Wer ständig hin- und herschaltet, verliert Tempo und Richtung.
3. Funktionale Strategie, Funktionsbereichsstrategie
Auf dieser Ebene wird die Strategie in Bewegung umgesetzt – das sind die Kette, Pedale und Räder, die das Ganze antreiben. Jede Abteilung trägt dazu bei, dass das Rad läuft:
- Marketingstrategie: Wie machen wir uns sichtbar und bleiben im Windschatten der Konkurrenz?
- Vertriebsstrategie: Welche Wege nehmen wir, um unsere Produkte zum Kunden zu bringen?
- Personalstrategie: Wer sitzt im Sattel und sorgt dafür, dass wir das Ziel erreichen?
- F&E-Strategie: Wie rüsten wir unser Fahrrad mit neuen Technologien und Ideen aus?
- Produktions- & Einkaufsstrategie: Wie stellen wir sicher, dass alle Teile reibungslos zusammenarbeiten?
- Finanzstrategie: Wie sichern wir den Treibstoff, um die Fahrt fortzusetzen?
- IT-Strategie: Wie nutzen wir digitale Tools, um schneller, sicherer und effizienter zu fahren?
Strategiefallen aus der Praxis
Die "Strategie-ist-nur-Theorie"-Falle
Viele Unternehmer sehen Strategie als einmalige Übung oder schönes Konzept auf Papier. Einmal die „Vision“ und die „Mission“ definieren und das war’s. Doch Strategie ist kein Dokument, das man in der Schublade verstaut – sie ist das Fundament für jede Entscheidung im Unternehmen. Sie bestimmt „was“, „wie“, „wo“ und „warum“.
Gerade in turbulenten und unsicheren Zeiten ist sie dein Kompass. Strategie ist dein Entscheidungsleitfaden! Wenn Strategie, Strukturen und Ressourcen nicht konsequent aufeinander abgestimmt sind, läuft dein Unternehmen Gefahr, sich zu verzetteln und im Chaos des Alltags zu ersticken.
Ich denke ein Beispiel könnte hier helfen: Stell dir vor, der Supermarkt-Discounter bietet plötzlich deutlich mehr oder nur noch Premiumprodukte an. Das klingt zunächst einmal toll, verhaut im Hintergrund jedoch die komplette Kostenstruktur des Unternehmens. Als Konsequenz, wird die neue Preisstruktur (z.B. durch Lagerhaltung, höhere Einkaufspreise) an den Konsumenten weitergegeben. Langfristig ändert sich die Zielgruppe, die Marke und – Überraschung – die komplette Unternehmensstrategie.
Gegenmaßnahmen:
Mach Strategie zu einem lebendigen Teil deiner täglichen Arbeit. Prüfe regelmäßig, ob wirklich jedes Handeln deiner strategischen Ausrichtung folgt – und passe an, wenn es das nicht tut. Strategie muss gelebt werden und nicht nur als netter Motivationsspruch im Büro hängen.
Wichtig: jede einzelne Aufgabe sollte wirklich einen Beitrag zu deinem Ziel leisten! Radikal, richtig Guerilla. 😊
Die "Wir-haben-andere-Prioritäten"-Falle
Hier plaudere ich gerne aus dem Nähkästchen: Ich denke das ist die schlimmste aller Fallen und auch mir ist das in der Vergangenheit passiert. Das Business skaliert endlich, die Kunden und Aufträge prassen über einen ein. Im hektischen Tagesgeschäft verschwinden strategische Themen schnell von der Agenda. Kundenanfragen, operative Herausforderungen und kurzfristige Entscheidungen drängen sich in den Vordergrund – und die langfristige Ausrichtung rutscht still nach hinten. So verliert das Unternehmen Schritt für Schritt seine klare Richtung. Chaos lässt nie lange auf sich warten.
Gegenangriff:
Schaffe feste Zeitfenster, in denen Strategie absolute Priorität hat. Keine E-Mails, keine Ablenkung – nur Fokus auf das große Ganze. Überprüfe regelmäßig, ob deine Ressourcen wirklich in die Aktivitäten fließen, die dich langfristig voranbringen. Auch wenn dadurch ein Kunde warten muss: langfristig zahlt sich das für zufriedene Kunden wirklich aus.
Wichtig: Strategie bestimmt, wie du deine Ressourcen einsetzt, wo du Prioritäten setzt und welche Entscheidungen tragfähig sind. Wirklich alle Ressourcen sollten zielgerichtet eingesetzt werden. Halt‘ dich fest: radikal, Business-Guerilla eben.😉
Die "Quarterly-Panic"-Falle oder: Flotter Aktionismus statt Konsequenz
In vielen Unternehmen regiert der Quartals-Aktionismus. Die Zahlen vom letzten Vierteljahr sind da, und schwups, wird die gesamte Strategie über Bord geworfen, weil man die „sofortige Rettung“ sucht. Das ist wie wenn du einen Marathon läufst, aber alle paar Kilometer die Laufschuhe wechselst, nur weil dir die Farbe gerade nicht mehr gefällt. Du kommst nie richtig in deinen Rhythmus und landest am Ende nur mit Blasen am Streckenrand. Dieses Hin-und-Her signalisiert nicht nur Unsicherheit, sondern frisst auch unglaublich viele Ressourcen.
Der Gegenstoß:
Strategie braucht Mut zum Durchhalten. Das bedeutet nicht, dass du stur sein sollst, aber du musst deiner Vision eine faire Chance geben. Überprüfe die Strategie nicht täglich, sondern in festen Intervallen. Schau dir die Indikatoren an, die wirklich zählen, und nicht nur die kurzfristigen Ausschläge. Setze auf Konsequenz, nicht auf Hektik. Denn ein starker Kompass ist nur nützlich, wenn man ihm auch vertraut.
Fazit
Strategie ist kein isoliertes Konzept, sondern das Fundament, auf dem jede unternehmerische Entscheidung aufbaut. Ihr Einfluss reicht tief in sämtliche Geschäftsbereiche – von der Produktentwicklung über das Marketing bis hin zur Ressourcenverteilung. Bei größeren Unternehmen tragen alle Bereiche zur Umsetzung der Strategie bei und stehen in der Verantwortung.
In Zeiten, die geprägt sind von Unsicherheit, schnellen Veränderungen und zunehmender Komplexität, ist es wichtiger denn je, sich bewusst strategisch aufzustellen. Nur wenn Strategie, Strukturen und Ressourcen klar aufeinander abgestimmt sind, kann ein Unternehmen stabil und zugleich flexibel agieren – und das gesamte System nahtlos ineinandergreifen.
Mein Geheimtipp:
Eine starke Strategie entsteht nicht durch große Worte, sondern indem man sich konsequent auf sie fokussiert. Reduziere Komplexität, indem du dich radikal auf das Wesentliche konzentrierst: auf die Bereiche, in denen du echten Unterschied machen kannst. Das erfordert Mut zur Klarheit und die Bereitschaft, bewusst Prioritäten zu setzen. Aber je klarer dein Fokus, desto kraftvoller deine Umsetzung! Viva el Unternehmergeist 😊
Solltest du doch einmal den Eindruck haben, du kommst vom Weg ab: konzentriere dich auf deine Stärken und deine Zielgruppe! Die Zielgruppe sollte immer dein Nordstern sein.
Ausblick:
In den nächsten Schritten schauen wir uns an, wie du Strategie noch gezielter gestalten kannst: mit praktischen Analysehilfen zur Strategiefindung, einer klaren Definition deiner Zielgruppen und der Bewertung deiner Märkte – damit Strategie nicht nur Richtung gibt, sondern echtes Wachstum ermöglicht.