Was ist Strategie?

Hand aufs Herz: Wie oft hast du das Wort "Strategie" schon gehört? "Karrierestrategie", "Marketingstrategie", "Unternehmensstrategie" – es ist überall! Aber was verbirgt sich wirklich dahinter? Ist es nur ein schickes Wort für "Plan"? Nicht ganz. Lass uns das Ganze mal auseinandernehmen, und zwar so, dass es jeder versteht, auch ohne BWL-Studium.

Inhaltsverzeichnis

was ist strategie

Strategie ist nicht einfach nur ein Plan

Stell dir vor, du willst mit dem Fahrrad die Alpen überqueren. Dein Plan könnte sein: „Ich fahre dreimal die Woche Rad und steigere meine wöchentliche Distanz um 20 Kilometer.“ Das ist ein guter Plan, aber noch keine Strategie.

Eine Strategie geht tiefer. Sie beantwortet die Frage nach dem „Warum“ und dem „Wie“ im großen Ganzen. Deine Strategie könnte lauten: „Um die Alpenüberquerung in sieben Tagen zu schaffen, setze ich auf eine Kombination aus gezieltem Bergtraining zur Steigerung meiner Kraftausdauer und langen Grundlageneinheiten im Flachland. Ich wähle die Route mit den am besten ausgebauten Radwegen, um Pannen zu minimieren, und nutze eine spezielle, kohlenhydratreiche Ernährung, um meine Energiereserven auf den langen Pässen zu maximieren.“

Merkst du den Unterschied? Die Strategie ist der übergeordnete Ansatz, die Leitidee, die all deine einzelnen Aktionen (deinen Plan) sinnvoll miteinander verknüpft, um ein langfristiges Ziel zu erreichen. Es geht darum, bewusst Entscheidungen zu treffen, was du tust – und, sehr sehr oft ignoriert: was du eben auch nicht tust.

Was Strategie wirklich ist

Ganz einfach gesagt:

Strategie ist die Kunst, Richtung zu geben.

Sie schafft Klarheit, wo du hinwillst, und hilft dir, in einer komplexen Welt den Fokus zu behalten. Strategie ist kein starres Dokument und keine Präsentation mit Pfeilen und Kästchen – sie ist eine Haltung. Ein klares Verständnis darüber, wofür du stehst, wohin du willst und wie du dorthin kommst.

Lehren aus der Praxis: Wo es oft hakt

Gerade in der heutigen, extrem dynamischen und unübersichtlichen Marktlage sind klare strategische Leitplanken wichtiger denn je. Sie geben Orientierung und verhindern, dass ein Unternehmen zum Spielball der Umstände wird. Doch hier liegt das große Paradox: Obwohl sie so entscheidend ist, ist die Strategie gleichzeitig eines der Themen, das am konsequentesten missinterpretiert, ignoriert oder schlichtweg nicht gelebt wird. Das führt zu ein paar typischen Fallen:

strategiekiller aus der praxis
Infografik: die Strategiekiller in der Praxis. Erstellt mit Napkin AI.

Falle 1: Strategie predigen, aber nur auf den Umsatz schielen

Viele Unternehmen haben schicke Präsentationen über ihre „Strategie 2030“. Darin wird gerne mit Buzzwords wie Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung oder Diversität um sich geworfen – Schlagworte, die oft keinem kritischen Hinterfragen standhalten. Denn im echten Unternehmensalltag zählt am Ende dann doch nur eines: kurzfristige, monetäre Ziele. Eine echte Strategie sollte aber an viel mehr gemessen werden als nur am Umsatz. Dafür gibt es KPIs (Key Performance Indicators), also Kennzahlen wie Marktanteil, Kundenzufriedenheit oder Markenbekanntheit.

Falle 2: Strategie mit einem Forecast verwechseln

„Unsere Strategie ist es, nächstes Jahr 10 % mehr Umsatz zu machen.“ Das ist keine Strategie, sondern ein Forecast (eine Prognose). Strategie ist nicht die Vorhersage der Zukunft, sondern deren aktive Gestaltung. Sie braucht einen langen Atem und darf nicht bei jeder verpassten Quartalszahl über Bord geworfen werden.

Falle 3: Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Die brillanteste Unternehmensstrategie ist zum Scheitern verurteilt, wenn die einzelnen Abteilungen nicht an einem Strang ziehen. Strategie muss unternehmensweit harmonieren und von allen getragen werden.

Falle 4: In der Mitte feststecken ("Stuck in the Middle")

Das ist der Klassiker: Ein Unternehmen kann sich nicht entscheiden. Man will Premium-Qualität bieten, aber gleichzeitig der günstigste Anbieter sein. Man möchte innovativ sein, aber kein Risiko eingehen. Man versucht, es allen Kunden recht zu machen und auf jeder Hochzeit zu tanzen. Das Ergebnis: Man verliert den Fokus, die eigene Position am Markt wird schwammig und unklar. Letztendlich wird man seinen Kunden nicht mehr gerecht, weil niemand mehr so richtig weiß, wofür das Unternehmen eigentlich steht. In meinen Augen ist das eine der größten Fallen, wenn es um Unternehmensstrategie geht. Konsistenz auch in wilden Zeiten zu behalten, scheint die Königsdisziplin zu sein.

Fazit: Strategie bedeutet Richtung geben.

Man kann es sich vielleicht wie bei der Tour de France vorstellen: Strategie ist nicht der detaillierte Plan für jede einzelne Pedalumdrehung. Strategie ist die Entscheidung, auf Etappensiege zu fahren oder das Gelbe Trikot am Ende in Paris zu tragen. Dieses große Ziel erfordert eine klare Fokussierung. Es braucht die Ausdauer, auch an schlechten Tagen weiterzumachen und nicht aufzugeben. Aber es erfordert auch die Weitsicht, auf dem Weg dorthin kleinere Anpassungen vorzunehmen – mal einen Umweg zu fahren, um einer Gefahr auszuweichen oder die Taktik an das Wetter anzupassen – ohne dabei das Podium aus den Augen zu verlieren.

Kurz gesagt: Strategie ist der Kompass, der sicherstellt, dass alle im Unternehmen in die gleiche Richtung rudern, um ein langfristiges, klares Ziel zu erreichen und auch beim Kunden ein glaubwürdiges und positives Bild zu hinterlassen. Und das ist am Ende das, was aus einem guten Unternehmen ein herausragendes macht.

Quellen und Leseempfehlungen:

  • Whittington, R., Regnér, P., Angwin, D., Johnson, G., & Scholes, K. (2020). Fundamentals of strategy. Pearson Higher Ed.
  • Porter, M.E. (2004). Competitive Strategy. Free Press
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